Die Streuobstwiese "Herzbohnengarten / Breitlau" in Steinegg
Streuobstwiesen sind altes Kulturgut und wir haben eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Kulturlandschaft. Hier bei uns im Südwesten stehen die größten Streuobstbestände Europas. Früher gab es solche Wiesen in fast jedem Ort, heute sind sie selten geworden. Dabei leben bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten in diesem einzigartigen Lebensraum. Für uns Menschen liefern sie über 1.000 Obstsorten und leckere Säfte.
In den letzten Jahrzehnten sind sehr viele Streuobstwiesen durch Wohnbebauung, Gewerbegebiete und intensiv genutzte Wiesen zerstört worden. Viele weitere der bestehenden Streuobstwiesen verfallen schlichtweg. Denn die Pflege von Streuobstwiesen ist mühselig: Obstbäume müssen geschnitten und junge Bäume nachgepflanzt werden, um Mahd oder Beweidung muss man sich kümmern.
Aktuelles zur Wiese
Auswertung der Nistkästen 2024
Die Auswertung der Nistkästen vom Februar 2025 für das Jahr 2024.
Für einheimischen Vogelarten und Fledermäuse haben wir in der Zwischenzeit knapp 100 unterschiedliche Nisthilfen und Bruthöhlen angebracht. Diese Nistkästen werden im Winter gereinigt und der Bestand an Vögel, Fledermäusen und anderen Nutzern wie Siebenschläfern dokumentiert. Beim Reinigen im Februar 2025 zeigt sich eine sehr gute Belegung im Jahr 2024.
Die Pflege der Streuobstwiese
Mahd und Baumschnitt
Pächter der Wiese an sich ist ein Landwirt aus Hamberg, der zweimal im Jahr extensiv mäht; das heißt die erste Mahd darf nicht vor dem 1. Juli stattfinden. Damit kann die Flora voll ausreifen und der Bestand an Wiesenpflanzen und -blumen bleibt erhalten. In Ergänzung zur jährlichen Mahd der Wiese durch den Pächter führen wir die Mahd in den Baumreihen und um die Bäume eigenständig durch.
Damit Obstbäume gesund bleiben und lange leben, müssen sie regelmäßig geschnitten werden. Dies sorgt für ausreichend Licht und Luft in allen Bereichen des Baumes. Zudem wollen wir dafür sorgen, dass die Früchte gleichmäßig an starken Ästen wachsen. Sonst brechen Äste unter der Last oder zu viele Früchte bleiben klein und reifen nicht gut. Für den Baumschnitt laufen wir in der kalten Jahreszeit die Wiese ab, markieren die Bäume, die einen Schnitt brauchen und treffen uns dann mehrmals zum Schneiden, Sägen, Zerkleinern und Aufladen der Äste.
Obsternte
Die Ernte ist eingebracht. (Foto: Gitta Giese)
(Gitta Giese)
Seit Jahren wird ein Teil der Obsternte zu leckerem Saft verarbeitet (vermostet). Dazu ernten wir im Oktober Äpfel und Birnen und liefern einen Teil direkt zur Mosterei. Den frisch gepressten Saft lassen wir in das "Bag in Box"-System abfüllen. Bei Erträgen von bis zu 4 Tonnen bleibt noch viel Obst übrig, das wir an eine Mosterei verkaufen.
Da wir einige Raritäten auf der Fläche haben - alte und besonders schmackhafte Obstsorten - wird ein Teil der Ernte auf einem Spezialitätenmarkt verkauft.
Nistkastenkontrolle
Die Auswertung der Nistkästen vom Februar 2025 für das Jahr 2024.
Für einheimischen Vogelarten und Fledermäuse haben wir ca. 80 unterschiedliche Nisthilfen und Bruthöhlen angebracht. Diese Nistkästen werden im Winter gereinigt und der Bestand an Vögel, Fledermäusen und anderen Nutzern wie Siebenschläfern dokumentiert.
Weiterentwicklung und Artenreichtum
Seit 2024 haben wir drei Mauswieselkästen auf der Wiese.(Foto: Marion Laube)
Für Wildbienen und Insekten gibt es auf der Fläche mehrere Insektenhotels, die regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls erneuert werden. Immer wieder wurden Eidechsen auf der Wiese gesichtet, so dass wir 2021 mehrere Eidechsenburgen errichtet haben und hoffen, dass sich das Vorkommen verstetigt. Um die Wühlmäuse auf der Fläche etwas in Schach zuhalten, haben wir drei Mauswieselkästen versteckt im Gebüsch ausgebracht.
Die Geschichte unserer Streuobstwiese
Die Wiese steht in voller Blüte...
(Gitta Giese)
Der Anfang – Kartierung der Obstbaumbestände
Aus dem Kartenmaterial einer von uns durchgeführten dreijährigen Obstbaum-Kartierung wurde 1989 ersichtlich, dass Streuobstwiesen auch im BIET hochgradig gefährdet sind. Die vorhandenen Streuobstwiesen in Ortsrandlagen wurden über die Jahre hinweg sukzessive gerodet, damit Baugebiete entstehen konnten. Einzelne Bäume standen kümmerlich in der Landschaft. Größere Ausnahmen im Biet waren Streuobstwiesen am Fuße des NSG Büchelberg, auf den Rittern in Tiefenbronn-Mühlhausen und in Schellbronn.
Das Ziel - Erhalt und Erweiterung der Bestände im BIET
Dafür suchten wir in der Öffentlichkeit Partner*innen und Paten*innen. Mit zwei öffentlichen Veranstaltungen in Tiefenbronn - Lehningen und Neuhausen 1990/91 machten wir auf den Wert einheimischer Streuobstwiesen und ihre Bedrohung im hiesigen Raum aufmerksam. Mit Unterstützung des Naturschutzbeauftragten des Enzkreises konnten wir Bürgermeister und Behördenvertreter für eine exemplarische Pflanz- und Pflegepatenschaft für eine Streuobstwiese gewinnen.
Als erster Schritt wurde der Flächennutzungsplan für ein Baugebiet im Gewann „Breitlau“ in Steinegg verkleinert, damit die bereits vorhandene Wiese für die geplante Pflanz- und Pflegepatenschaft erhalten bleiben konnte. Im gleichen Frühjahr 1991 wurde ein Vertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg und unserer BUND-Ortsgruppe BIET geschlossen, der die Wiese als schutzbedürftige Fläche gemäß §16 NatSchG auswies und der BUND-Ortsgruppe BIET gestattete, auf diesem Grundstück den Obstbaumbestand zu ergänzen, zu pflegen und die Obsternte durchzuführen.
In den darauffolgenden Jahren wurde die Wiese in mehreren Pflanzaktionen mit Hochstammbäumen alter einheimischer Obstsorten bepflanzt. Im Herbst 1991 begann unsere BUND-Ortsgruppe zunächst mit der Pflanzung von 109 Obstbäumen. 1993 führten wir eine gemeinsame Aktion mit der Bohrain-Schule Pforzheim durch. Dreizehn Schüler*innen pflanzten 13 Bäume. Eine dritte Pflanzaktion im Jahre 1997 ergänzte den Obstbestand auf insgesamt 180 Bäume. In den folgenden Jahren wurden vereinzelt weitere Bäume nachgepflanzt. Heute stehen auf der Wiese knapp 240 Bäume.
Naturschutz
Im Jahre 2005 wurde unsere Streuobstwiese im Rahmen der europaweiten Natura 2000 in das FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) der Würm-Nagold-Pforte integriert. Als bislang letzten Schritt haben wir die Wiese zertifizieren lassen; seit 2020 ist unsere Streuobstwiese und damit das geerntete Obst biozertifiziert.
Aktiv werden
- 02.05.2026 - 31.05.2026 Streuobstwiesen-Spaziergang
- 09.07.2026 Workshop Leben auf der Streuobstwiese