Exkursion zum Grünen Band - September 2014

„Vom Todesstreifen  zur Lebenslinie“

Mit diesen Worten beschreibt der BUND das Projekt Grünes Band, für das die ersten Ideen bereits 1989  unmittelbar nach der Wende vom Land Thüringen und dem BUND aufgegriffen wurden.

Auf dem etwa 50 bis 200 Meter breiten Streifen der ehemaligen Demarkationslinie zwischen den beiden Teilen Deutschlands  hatte sich in ca. 40 Jahren deutscher Teilung auf fast 1400 km Länge ein Rückzugsbereich für seltene Pflanzen und Tiere entwickelt.

Mit dem Projekt Grünes Band  wird angestrebt, dieses Verbundsystem  von unterschiedlichsten Natur- und Lebensräumen zu erhalten und es als Deutschlands Beitrag zu einem Grünen Band Europa einzubringen. Dieses Jahr feiert das Grüne Band Deutschland sein 25jähriges Jubiläum.

Einerseits ein Grund zu feiern: das Grüne Band ist inzwischen als nationales Naturerbe anerkannt. Bundesländer, BUND und weitere Organisationen arbeiten gemeinsam am Erhalt des Grünen Bandes. 87% der Gesamtfläche können als naturnah eingestuft werden.

Andererseits: Das Grüne Band ist ein Band mit Lücken. Im Moment fehlen etwa 13%. Zum Teil sind Lücken bis zu 20 km lang. Weitere Überzeugungsarbeit bei Landbesitzern sowie der Ankauf von Flächen ist notwendig, damit der Lückenschluss gelingen kann.

 Für uns als BUND–Ortsgruppe aus dem Südwesten war das Interesse groß, nach 25 Jahren wenigstens einen Teil des Grünen Bandes anzuschauen.

Für unsere Erkundung wählten wir die Strecke aus, die vom Grenzlandmuseum Eichsfeld vorbei am Kunstwerk ‚West-Östliches Tor‘ (2002 als Symbol der Einigung von Ost und West von Michail Gorbatschow und dem damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin eingeweiht) zum Gut Herbigshagen der Heinz Sielmann Stiftung führt.

Nach einer sehr beeindruckenden und informativen Führung im Grenzlandmuseum zur Geschichte der Grenze und der Grenzanlagen und der ständigen Weiterentwicklung dieses schrecklichen Bollwerks ging es auf dem Kolonnenweg am Grünen Band entlang.

Dieser Kolonnenweg besteht aus stahlarmierten unterbrochenen Betonplatten, (der als Fahrweg parallel zur Grenzanlage diente) und ist heute alles andere als ein bequemer Fußweg.  Die Wegführung nimmt ebenso wenig wie die ehemalige Grenze in dieser Gegend Rücksicht auf das Geländeprofil, und so ging es eben teils steil bergauf und bergab. Die Frage des Führers im Grenzlandmuseum: ‚Habt Ihr Seil und Pickel dabei?‘ verstanden wir im Anschluss sehr gut. Entschädigt wurden wir durch die ruhige Natur im Grünen Band und den herrlichen Ausblicken in die Kulturlandschaft, vor allem von der Anhöhe, auf der das West-Östliche Tor steht.

Angekommen am Gut Herbigshagen war Pause und Stärkung angesagt, bevor wir zusammen mit Holger Keil, einem kompetenten Forstmann und Botaniker aus der Sielmann-Stiftung, noch einmal zum Grünen Band in der Nähe des Hofguts gingen. In nächster Nähe des Guts betreut dort die Stiftung ca. 30 km des Grünen Bandes. Er berichtete über die Maßnahmen zur Erhaltung und Freihaltung des Bandes und den Schutz von Fauna und Flora, die sich nun entwickelt haben. Er ging auch ein auf die langwierigen Gespräche und Verhandlungen mit Eigentümern und früheren Eigentümern zur Sicherung der Flächen für das Grüne Band. Durch dieses Gespräch konnten wir nun auch eine Vorstellung davon bekommen, welcher Aufwand für ein Leuchtturm-Projekt wie das Grüne Band notwendig ist.

Weitere Bilder von unserer Annäherung an das Grüne Band finden Sie hier.



Suche