BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Ins Oberschwäbische im Herbst 2017

Die diesjährige Exkursion führte uns in den oberschwäbischen Raum, d. h. in die Gegend um Bad Buchau, Bad Waldsee und Bad Wurzach.

Am Freitag, den 20. 10. 2017 trafen wir uns zunächst vor den Toren des Klosters Zwiefalten, wo einige die Gelegenheit nutzten, die eindrucksvolle Barockkirche zu besichtigen.

Anschließend ging es weiter zur Biogasanlage Hagmann in Dürmentingen. Herr Hagmann führte uns durch seinen Betrieb und erklärte uns ausführlich dessen Funktionsweise. So erfuhren wir, dass er 2006 mit dem Bau der Anlage begonnen hatte, die zu der Zeit 280 kWh lieferte. Inzwischen kann durch ständige Erweiterungen eine Gesamtleistung von bis zu 2,75 MW erzielt werden, die er in das Stromnetz (Netze BW) einspeist.
Betrieben wird die Anlage mit landwirtschaftlichen Reststoffen wie z. B. Gülle, Mist, Grasschnitt, Wickroggen und anderen Zwischenfrüchten, die aus einem Umkreis von ca. 5 km angeliefert werden. Der Verbrauch von Mais konnte durch die technischen Innovationen drastisch reduziert werden.
Es ist möglich, das erzeugte Gas in den Behältern 1,5 bis 2 Tage zu speichern. Die Rückstände der Anlage werden in flüssiger und fester Form als Dünger auf die Felder ausgebracht.
Mit der Abwärme wird eine nahegelegene Maschinenfabrik versorgt. Geplant ist eine großflächige Wärmeversorgung für kommunale Gebäude, Firmen und Privathaushalte in der näheren Umgebung.

Mit etwas Verspätung erreichten wir die Bachritterburg in Kanzach, wo wir zur nächsten Führung angemeldet waren. Wir erfuhren, dass der Nachbau dieser Turmhügelburg unter der Zusammenarbeit von Mittelalter-Archäölogen, Bauforschern, Architekten und traditionell arbeitenden Handwerkern erfolgte und damit der Versuch unternommen wird, das Leben des Niederadels in damaliger Zeit vorstellbar zu machen.

Am Samstag, den 21. 10. 2017, stand das 11km von Bad Waldsee entfernte „Wurzacher Ried“, die größte intakte Hochmoorfläche Mitteleuropas und eines der größten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs, auf dem Programm.

Aufgrund seiner Größe und seiner Ursprünglichkeit besitzt dieses Naturreservat internationale Bedeutung und ist heute ein „Natura-2000-Gebiet“. Bei einer stimmungsvollen Wanderung entlang und zum Teil auf Bohlenwegen durch das ehemalige Torf-abbaugebiet lernten wir den herbstlichen Moorwald und die ihn umgebenden Riedwiesen kennen.

Am „ Zeiler Torfwerk“ angekommen, stärkten wir uns beim „Wurzelsepp“, bevor es zur Fahrt mit der vom Kultur- und Heimatpflegeverein „Wurzen“ restaurierten Torfbahn zum Haidgauer Torfwerk ging. Unterwegs erfuhren wir einiges über den Torfabbau, der über 200 Jahre im Wurzacher Ried betrieben wurde und konnten Reste der alten, damals dazu benutzten Maschinen sehen.

Zurück am Ausgangspunkt startete um 15.30 Uhr unsere Führung entlang des angelegten Torflehrpfades und auf den Spuren der Torfstecher. Zunächst zeigte unsere Führerin die erdgeschichtliche Einordnung und Entstehung des Wurzacher Rieds auf.
Wir lernten, wie Niedermoore und Hochmoore und damit auch der Torf entstanden, wie die Torfstecher arbeiteten, wozu der abgebaute Torf verwendet wurde (unter anderem als Brenntorf/Heizmaterial z. B. für die Bevölkerung der Stadt Stuttgart), wie sich die Landschaft durch die Entwässerung als Folge des Torfabbaus verändert hat und vieles mehr, auch z.B. dass man heute versucht mit umfangreichen Maßnahmen zur Wiedervernässung der Gebiete eine Hochmoor-Regeneration einzuleiten. 

Weiter ging es am Sonntag, den 22. 10. 2017, mit der Fahrt nach Bad Buchau zum Federseeried. Herr Schneider, Hobbyarchäologe und ehemaliger Arzt, erwartete uns zu einem ca. 3stündigen Gang zum Thema „Archäologie und Natur - Highlights im Federseeried“ über den Lehrpfad im südlichen Ried. Der dauerhaft feuchte Moorboden in diesem Gebiet konserviert durch Sauerstoffabschluss organisches Material, wie Hölzer, Textilien und Früchte über Jahrtausende und gibt dadurch Auskunft über damalige Siedlungsweisen, Ernährung, Landschaft und Klima von der Steinzeit bis zu den Kelten. Vier der ehemaligen Moorsiedlungen in der Nähe des Federsees, die man in Teilen rekonstruiert hat, wurden  2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Während einige danach das Federseemuseum besuchten, um sich die Funde der Ausgrabungen bei den Welterbestätten anzusehen, nutzten andere die Gelegenheit auf dem 1,5 km langen Holzsteg bis zur offenen Wasserfläche des Federsees zu gehen.

Da das örtliche Café in Bad Buchau an diesem sonnigen Tag voll besetzt war, wurde eigens für uns zum Abschluss unseres Ausflugs im Lagerraum ein Platz zum Kaffeetrinken eingerichtet.

                                                                                                                                        RMS/MH
                                                                                                           
 

©Bilder: Horst Müller

 

Herz der Biogas-Anlage
Das Wurzacher Ried, die größte Hochmoorfläche Mitteleuropas
Über Torfstecher und Torfgeräte
Fahrt mit dem Torfbähnle
Archäologie im Federsee
Café im Lager
Quelle: http://biet.bund.net/taetigkeitsberichte/ins_oberschwaebische_im_herbst_2017/